Werke von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule auf Porzellan

So fern und doch so nah


•    Lange Zeit war Deutschland territorial und kulturell geteilt. Das Interesse füreinander hielt sich in Grenzen.


•    Die Kultur im Osten Deutschlands propagierte den „Sozialistischen Realismus“ und hatte ihren Schwerpunkt in der      Arbeiterbewegung.


•    Erst nach der Wende 1989 beschäftigen sich Institutionen und Privatpersonen vermehrt mit der Aufarbeitung ihrer bürgerlichen Geschichte.


•    Forschungen im Raum Magdeburg führten zu Erkenntnissen über die Porzellanmalerei im Biedermeier, die Porzellanfabrikanten „Porzellanfabrik von Nathusius in Althaldensleben“ (1826-1847), „Buckauer Porzellanmanufaktur“ (1839-1926) und „Porzellanfabrik von Carl Heyroth & Co.“ (1844-1853) sowie zur einst bedeutendsten europäischen privaten kunstgewerblichen Sammlung von Dr. Adolph Moritz List (1861-1938).


•    Mit der Zuschreibung international bekannter Lithophanien zum Hersteller Heyroth in Magdeburg und der Beschäftigung mit den ansässigen Porzellanmalern entstand die Nachfrage nach der Herkunft der Motive.


•    Umfangreiche Recherchen führten u.a. zu den Künstlern der Düsseldorfer Malerschule und zur Verbreitung ihrer Werke im Kunsthandwerk Porzellan, mit Druckgrafiken und mit Gemäldekopien.


•    Ergänzend sei angemerkt, dass der Maler Eduard Steinbrück am 2.Mai 1802 in Magdeburg geboren wurde, der Maler Hermann Werner am 29.Januar 1816 in dem Dorf Samswegen bei Magdeburg geboren wurde und dort in den Anfangsjahren als Maler tätig war. Ihm werden Kindermotive auf Magdeburger Lithophanien zugeschrieben. Auch der mit den Künstlern eng verbundene Carl Leberecht Immermann (1796-1840) hat seine Wiege in Magdeburg.


•    Förderlich für das Thema war die Tatsache, dass der Autor lange Jahre Mitarbeiter der Henkel KGaA war, Leute und Stadt kennen und schätzen gelernt hat.


•    Mit der erschlossenen engen kulturellen Vergangenheit und Zugehörigkeit ist das Gefühl  der Verbundenheit unter der Überschrift „Zusammen, was zusammen gehört“ gewachsen und die Arbeit ist durchaus als Liebeserklärung an Düsseldorf und an Henkel zu verstehen.



Die Verbreitung von Kunst im 2. Viertel des 19. Jahrhunderts


•    Die Kunst des Biedermeier und Spätbiedermeier wird oft abwertend als Bürgerkultur und das Gemüt bedienend ohne künstlerische Innovationen beurteilt. Mit kulturellem Blick auf die Zeit handelte es sich jedoch neben der industriellen Revolution auch um eine „kulturelle Revolution“.


•    Das aufstrebende Bürgertum hat Zeit und Geld, sich mit Kunst zu beschäftigen. Kunstvereine, Kunstausstellungen, Rezensionen, Kunstsammlungen und die neuen Reproduktionsverfahren Lithographie, Stahlstich und Holzstich tragen zur massenhaften Verbreitung von Kunst bei.


•    Parallel gründen sich durch die gewonnene Gewerbefreiheit private Porzellanmanufakturen, die zur Erhöhung der Attraktivität ihrer Produkte nach verkäuflichen Dekoren suchen und nicht selten zeitgenössische Motive wählen. Porzellan wird zum Multiplikator von Kunst.


•    Während die Lithophanien in Formen hergestellt und mehrfach reproduziert werden, ist die Porzellanmalerei vielschichtiger und kann auf einzelnen Kundenwunsch reagieren.


•    Im 2. Viertel des 19. Jh. und der stärker werdenden Konkurrenz gehen die Porzellanhersteller dazu über, undekorierte Weißware zu verkaufen.


•    Aus Kostengründen werden Porzellanmaler in den Manufakturen entlassen und bilden einen eigenen Industriezweig freier, nach Aufträgen suchender Porzellanmaler.


•    Die Motive auf Porzellan sind absatzorientiert und befriedigen die unterschiedlichsten Interessen der Bürger. Daraus resultiert ein breites Spektrum an Themen, worunter die Reproduktionen von zeitgenössischer Kunst nur ein Baustein ist. Dieses Porzellan hat die Wirkung als Multiplikator von Kunst.


•    Als kulturhistorisch bemerkenswert ist das öffentliche Zeigen der Herkunft, der Gesinnung, des Bildungsstandes, des Wohlstandes und der Vorlieben. Die massenhafte Verbreitung des Gebrauchs von Porzellanpfeifen mit ihren unterschiedlichen Dekoren gibt dem Betrachter im geschlossenen oder öffentlichen Raum die entsprechenden Informationen.


•    Im 18. Jahrhundert besaß der Adel wertvolle künstlerisch gestaltete Tabatieren, die Ausgangspunkte für Gespräche bildeten. Diese Rolle übernahm das Porzellan, insbesondere die Malerei im 19. Jahrhundert. Es darf vermutet werden, dass Benutzer eines Pfeifenkopfes mit Motiven der zeitgenössischen Malerei das zum Anlass nahmen, sich über das aktuelle Kulturgeschehen mit anderen Interessierten austauschten.

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