Dame mit Taube, Gesteckpfeife, Porzellanmalerei, Pfeifenkopf, D2736
Deutsch (süddeutscher-österreichischer Raum) 1830-1840
Pfeifenkopf:
„Zylindrischer Korpus. Auf der Wandung des Korpus ein rechteckiges Bildfeld in mittelbreitem Goldrahmen; in bunten Muffelfarben Darstellung einer jungen Dame, die mit einer Taube auf dem rechten Arm auf dem Sims eines Rundbogenfensters sitzt.
Die Dargestellte trägt ein weites blaues Überkleid, das ihre Schultern freigibt; darüber ein weißes Unterkleid mit weit geschnittenen Ärmeln. Um das Dekolleté hat sie einen gelben Schal geschlungen. Kopfbedeckung ist eine dunkelrote Haube, die vorne mit einer Perlenkette eingefasst ist. Diese fällt, als Schleife gefasst, bis auf die Schultern. Das dunkle Haar ist in der Mitte gescheitelt und hinten zu einem Knust zusammengedreht, in den ein Netz aus schwarzem Band eingeflochten wurde. Durch den Knust ist eine lange goldene Nadel gesteckt.
Als Schmuck trägt die Dargestellte eine lange Perlenkette mit einem ovalen Anhänger, ein zweireihiges Perlenarmband, am linken und rechten Arm je einen goldenen Reif sowie an der rechten Hand einen Ring. Auf ihrem rechten Arm, der in ihrem Schoß liegt, sitzt eine Taube. An der rechten und an der linken seitlichen Fensterbegrenzung eine sich emporragende Winde, darüber das Mauerwerk eines Halbbogens.
Vorlage ist ein Stahlstich von J. Krapp in Wien nach einer Vorlage von Weller, vielleicht J.osef oder Johann Weller, beide verstorben 1817 (H. Fuchs, Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts, Bd. 4: S-Z, Wien 1974, K 124 f. Montierung: Neusilber“ 1)
Gesteck
Außergewöhnlich luxuriöse Ausstattung; der Abguß aus Horn endet in einer gedrechselten Kugel mit Rillen aus Elfenbein; das sich anschließende Rohr aus Hartholz ist aufwendig reliefiert und wird jeweils oben und unten mit zwei achteckigen Silberringen mit Ösen als Verbindungsstücke ergänzt; abgeschlosen wird die Konstruktion mit einer Reihe von Einzelstücken aus Horn mit dazwischen angebrachten zwei in ihrer Größe verschiedenen Elfenbeinringen mit schräg verlaufenden Einkerbungen und einem längeren Zwischenstück aus gedrechselten Elfenbein mit schräg verlaufenden Rillen. Weitere Ergänzungen sind zwei Kugelketten aus Silber zur Fixierung des Pfeifenkopfes und der Verbindung von Abguss und Rohr; an dem oberen Ring sind mit Kugelketten bewegliche in Tropfenform ausgeführte Korallen als Schmuck angebracht.
Porzellankopf: H=13,8cm (a=135; b=107,3; c=33,3mm)
Gesteck: L=42cm
Nachweis: D2736
Provenienz
- 2025, März – „Sammlung Dauer, Magdeburg“ von privat aus Bayreuth
Anmerkung
1) Der Pfeifenkopf ohne Gesteck in genau gleicher Ausführung war Bestandteil unter Nummer 58 der Auktion am 23.10.2010 bei Metz in Heidelberg, „Herrn Biedermeiers Rauchvergnügen, Sammlung Prof. Dr. Hartmut Berg“, und wurde verkauft. Als der Erwerb der Gesteckpfeife im März 2025 getätigt wurde, war Prof. Berg sofort bereit, mir seine private Aufzeichnung, die öffentlich nicht publiziert wurde, zu überlassen. Oben verwendeter Text wurde zitiert, um damit beispielhaft die Liebe zu den Pfeifenköpfen und die detaillierte Beobachtungsgabe des Sammlers Prof. Berg zu belegen. Seine Beschreibung in der Auktion ist naturgemäß gekürzt.